Systeme

Die „diatype“ war der erste gelungene Versuch, fotografische Techniken mit Schriftsatz zu verbinden. Das GerĂ€t wurde der Weltöffentlichkeit auf der drupa 1962 prĂ€sentiert. Mehr oder weniger liebevoll als „einarmiger Bandit“ tituliert, war es möglich, direkt auf Lithfilm oder Papier Buchstaben zu belichten. Dazu wurde mit dem Handgriff die hinten am GerĂ€t befindliche Schriftscheibe entsprechend dem ausgewĂ€hlten Zeichen rotiert und von der Lichtquelle durchleuchtet. FĂŒr das Umschalten zwischen den drei Ebenen diente der Handgriff links am GerĂ€t, SchriftgrĂ¶ĂŸe und Laufweite wurden oben mit den Drehgriffen reguliert.

Blocksatz, Mittelachsensatz und rechtsbĂŒndiger Flattersatz waren nur nach vorherigem Blindsetzen der Zeile und dem Errechnen der notwendigen AbstĂ€nde möglich. Auch kleinere Tabellen ließen sich absetzen. Der Vorteil dieser Technologie war die direkte Erzeugung von reprofĂ€higen Offsetvorlagen, der Nachteil die umstĂ€ndliche Bedienung und das Fehlen einer Korrekturmöglichkeit. Es musste sehr sorgfĂ€ltig gearbeitet werden.

Der Nachfolger der diatype war die diatronic, die ĂŒber eine Schreibmaschinentastatur und einen der ersten Satzrechner sowie eine Belichtungseinheit verfĂŒgte. Das Ausschießen von Zeilen ging nun elektronisch vor sich, eine erhebliche Arbeitserleichterung. Mit der diatronic fĂŒhrte Berthold auch die legendĂ€ren rechteckigen Schriftscheiben ein, eine Basistechnologie, an der der Hersteller noch sehr lange festhielt. Trotz des Namens war es hier aber noch nicht möglich, die Ergebnisse auch zu speichern.

Auch die diatext war mit einer Schreibmaschinentastatur ausgestattet, die durch Funktionstasten ergÀnzt wurde. Belichtet wurde im Gegensatz zu sÀmtlichen anderen Fotosatzsystemen von Berthold durch eine rotierende Scheibe, die etwas kleiner ausfiel als bei der diatype. Mit einem ZusatzgerÀt konnte das Ergebnis nun auch gespeichert und korrigiert werden. Die Dickteninformation der jeweils verwendeten Schrift war in einer kleinen grauen Box links neben der Tastatur abgelegt und musste jeweils gewechselt werden.

ads stand fĂŒr „Akzidenz Dialog System“. Hier war keine Belichtungseinheit mehr integriert, der dazugehörige Belichter hieß apu 3608 und hatte die Schriftscheiben von der diatronic geerbt. Die Tastatur war um zahlreiche Funktionstasten erweitert worden. Die Speicherung der Daten erfolgte nun auf noch sehr großen Floppy disks (8"). Nach dem Einschalten musste zunĂ€chst das Betriebssystem auf TOS-Basis (Text Operating System) von einer Floppy geladen werden.

Die Satzkommandos und die Typonummern, eine Art Absatzformat, sowie der eigentliche Text konnten am monochromen Bildschirm bearbeitet werden. Dieses Arbeiten mit mnemotechnischem Code wurde noch auf vielen Nachfolgesystemen beibehalten, etwa der tps (Text Produktions System), der mft (Multi Funktions Terminal), der gst (Graphic Satz Terminal), der Fox und war auch Basis fĂŒr das spĂ€tere volldigitale Lichtsatzsystem der Serie M.

Die Workstations der Serie M von Berthold waren die ersten GerĂ€te weltweit, die die visuelle Darstellung von Buchstaben erlaubten. Üblicherweise wurde die rechte HĂ€lfte des Monitors fĂŒr die sog. Echtfontdarstellung genutzt, die linke fĂŒr Text und die mnemotechnische Eingabe von Satzbefehlen.

Die TextStation war softwaremĂ€ĂŸig auf das Satzprogramm ProfiPage beschrĂ€nkt, wĂ€hrend auf dem GraphicTerminal auch die Grafikprogramme PixelGraphic und LineGraphic liefen fĂŒr Schwarzweiß-Halbton- und -Vektorgrafik.

Der Schritt in die S/W-Bildbearbeitung erfolgte mit der EinfĂŒhrung eines hochauflösenden Flachbettscanners. Firmenlogos wurden auf einem Strichscanner erfasst und in grafische Elemente oder Schriften konvertiert.

Die Seitenbeschreibungssprache BPL (Berthold Page Language) war zu Beginn zwar noch nicht farbbildtauglich, aber bei reinen Textdokumenten um den Faktor 10 schneller als PostScript, in das zum Schluss auch ausgegeben werden konnte.

Als Fotosatzhersteller war nach der erfolgreichen Bild-Text-Integration der Schritt ins Farbbild fĂŒr Berthold nur konsequent, und so wurde 198x die EBV ColorStation vorgestellt. Es war als Midrangesystem positioniert, machte aber im Vergleich zu aktuellen High-End-EBVs eine relativ gute Figur.

Die FĂ€higkeiten des Systems wurden beim 1. Deutschen FarbSatzContest eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die geforderte Aufgabenstellung machte es den Konkurrenten nicht einfach, ihre potenziell vorhandene Überlegenheit auszuspielen. FĂŒr Satzstudios war die ColorStation sicherlich eine sinnvolle Investition.

 

Abbildungen, v. oben n. unten:

diatype

diatronic

diatext

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ColorStation