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Am 1. Juli 1858 gründete Hermann Berthold in Berlin sein Institut fiir Galvanotypie. In kurzer Zeit gelang es ihm, die bis dahin im Buchdruck verwendeten Blei- und Zinklinien durch die Entwicklung hochpräziser Messinglinien zu ersetzen, wodurch Hermann Berthold sich und seinem Unternehmen rasch internationale Geltung verschaffte. Der seinerzeit geprägte Begriff „Präzis wie Berthold-Messing“ wurde zum Synonym für höchste Präzision und Qualität schlechthin und ist bis heute und auch künftig die Leitlinie der Produktphilosophie des Hauses Berthold.
Hermann Berthold, inzwischen ausgewiesen als Präzisionspragmatiker, erhielt im Jahre 1878 von den führenden Schriftgießereien Deutschlands den ehrenvollen Auftrag, die im Verlauf der Zeit ungenau gewordene Einheit des Didot-Systems auf der Grundlage des Meters neu festzulegen. Das Meter weist danach bei 0° R* 2660 typografische Didotpunkte auf.
Hermann Berthold gelang damit eine weltweit anerkannte Normung der bis dahin länderspezifisch unterschiedlichen Maßgrößen für Lettern und Linien.
Durch die Übernahme einer Berliner Schriftgießerei erweiterte Berthold 1893 sein Unternehmen und die Produktpalette. Der erste Schritt auf dem Wege zur zeitweilig größten Gießerei der Welt war getan. Zukäufe weiterer renommierter Schriftgießereien mit einem wachsenden Schriftenfundus und die Gründung von Zweigniederlassungen wie Petersburg, Moskau, Riga, Budapest, Wien, Leipzig und Stuttgart folgten. Dies war das Ergebnis einer expansiven auf Qualität und hochklassiger Leistung basierenden Firmenpolitik.
Mit der Weltwirtschaftskrise fand diese Entwicklung ihren vorläufigen Abschluß. Der zweite Weltkrieg unterbrach alle Verbindungen zu den bisherigen Auslandsvertretungen und Niederlassungen. Der Berliner Hauptbetrieb wurde durch Bomben schwer beschädigt. Unmittelbar nach dem Kriege begann man zügig mit dem Wiederaufbau des Berliner Stammhauses. Die Produktion der Handsatztypen, Messinglinien und Plakatschriften wurde wieder aufgenommen.
Simultan dazu wurde die technische Entwicklung, speziell die des bleilosen Satzes, sorgfältig beobachtet und analysiert. Bereits seit den frühen fünfziger Jahren erkannte man bei Berthold das wachsende Interesse am Fotosatz und trieb systematisch diese Technologie, nebcn dem Bleisatz, voran. Mit der Vorstellung des „diatype“-Cerätes auf der Drupa 1962 in Düsseldorf und der positiven Resonanz erwies sich die Richtigkeit dieses Weges als Ergebnis einer vorausschauenden Firmenpolitik.
Von Anbeginn wurde, auch für den Fotosatz, unter der Leitung von Günter Gerhard Lange an den bewährten Qualitätsmaximen des qualifizierten Schriftgusses konsequent festgehalten.
Das Schriftenangebot wurde auf der Basis von Lizenzverträgen mit den namhaftesten Schriftgießereien erweitert, um die traditionellen und bewährten Schriftbilder für die neue Technologie des Berthold-Fotosatzes in originalgetreuer Interpretation zu erschließen.
Die permanente Aktualisierung des Schriftenprogramms nach internationalen Marktbedürfnissen sowie die Entwicklung neuer Fotosatzschriften, darunter zahlreiche Exklusivschriften, führten zu dem hohen Ansehen, das Berthold heute global im Kreis internationaler Kenner und Liebhaber typografischer Qualität genießt.
Im Zuge des technologischen Wandels zur Digitaltechnik ist es Berthold gelungen, nicht nur die bewährten Qualitätsnormen uneingeschränkt beizubehalten, sondern mit der Integration von Text, Bild und Grafik auf gleich hohem Qualitätsniveau der professionellen Satzherstellung abermals neue trendsetzende Impulse zu verleihen.