Maschinensatz –
die Industrialisierung eines Handwerks

Der Württemberger Uhrmacher Ottmar Mergenthaler (* 11. Mai 1854) war der Erfinder der Setzmaschine, eine Innovation, die vor ihm bereits etwa 100 andere erfolglos angegangen waren. Als 13-Jähriger hatte er bereits die Kirchturmuhr seiner Heimatstadt reparieren können. Nach seiner Lehre ist er nach Baltimore/USA emigriert, wo er Modelle für die Veranschaulichung von patentwürdigen Ideen gebaut hat.

Die Vorlage eines Charles T. Moore für eine solche Maschine wurde von Mergenthaler grundlegend modifiziert und zur Brauchbarkeit weiterentwickelt. Die entscheidende Idee, Messingmatrizen für den Abguss von ganzen Zeilen zu verwenden, kam ihm nach den Formen für ein Weihnachtsgebäck, die er selbst einmal geschnitzt hatte.

Während der Präsentation seiner Erfindung bei der New York Tribune am 3. Juli 1886 rief der Herausgeber Whitelaw Reid spontan: „Ottmar, you’ve done it again! A line o’ type!“ Damit war der Name geboren für eine Erfindung, die das immer noch auf den Gutenbergschen Techniken beruhende Gewerbe von Grund auf verändern sollte.

Kein Geringerer als Thomas A. Edison, der Erfinder der Glühbirne, bezeichnete die Linotype als „achtes Weltwunder“.

Die Maschine hatte eine Klaviatur genannte Spezialtastatur, die das Herabfallen der Matrizen aus dem Magazin in den sog. Elevator auslöste. Sobald die Zeile fast gefüllt war, musste manuell getrennt werden oder eben nicht. Die Wortzwischenräume wurden nicht wie im Handsatz als starres Blindmaterial, sondern mittels spreizbarer Keile zwischen die Wörter geschoben. Diese Keile wurden von unten innerhalb der Zeile auseinandergetrieben, bis die volle Breite erreicht war. Danach wurde diese Matrizenzeile vor einen Gussmund geschoben, der eine heiße und flüssige Blei-Zinn-Antimon-Legierung gegen die Matrizen drückte. Diese Zeile musste nur kurz abkühlen und wurde dann vorn an der Maschine auf eine Auslage geschoben. Die nicht mehr gebrauchten Matrizen wurden über einen Greifarm wieder in das Magazin verbracht, wo sie mittels eines Schienensystems automatisch in das richtige Fach zurückfielen. Sie befanden sich also in einem Kreislauf, lediglich Sonderzeichen mussten von Hand in die Zeile eingebracht werden.

Im Zuge des technischen Fortschritts wurden Typen entwickelt, die mehr als ein Magazin hatten (bis zu vier) und so etwa die Kombination zweier Schriften oder etwa kursiver und fetter Schnitte erlaubten. Wurde die Maschine anfangs ganz von Hand bedient, waren später Varianten mit Pressluft im Einsatz, die die Produktivität nochmals erhöhten. Zum Ende – Linotypes waren in manchen Ländern noch in den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts konkurrenzfähig – wurde die Texterfassung sogar vom Zeilenguss abgekoppelt und die Linotypes per Lochband gesteuert.

Eine zweite Bleigussmaschine, die Monotype, hatte ein völlig anderes Konstruktionsprinzip und goss keine Zeilen, sondern Einzelbuchstaben. Die Monotype wurde auch für den Guss von Handsatzschriften verwendet.

Die Funktionsweise der Monotype ist etwas genauer auf Wikipedia beschrieben.

Hier eine sehr detailgenaue Schilderung von Funktionsweise und Aufbau in einem englischsprachigen Film (Google Video): Teil 1 und Teil 2.

 

Abbildungen:

a) Linotype

b) Monotype Taster

c) Monotype GieĂźmaschine